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| >> Reutlinger General Anzeiger vom 23.05.2005 |
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| Wie mit dem Aquarellpinsel |
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Die Welt ist ungerecht. Weil überall Mozart gefeiert wird, kommt Schumann in seinem 150. Todesjahr immer nur am Rande vor. Beim letzten Saisonkonzert des Kammermusikzyklus am Sonntagabend in der Listhalle war das endlich einmal anders. Obwohl das Programm des Pianisten Matthias Kirschnereit vor Mozart nur so strotzte, war diesmal ein Schumann-Stück der Dreh- und Angelpunkt: die große C-Dur-Fantasie opus 17. Ein Meilenstein. Ein ganzes Universum von Musik. Und Matthias Kirschnereit war an diesem Abend der Berufene, um diese Welt auszuloten. An der Seite des Pianisten schreiten wir durch eine literarisch überhöhte Welt. Fühlen hymnischen Gefühlsüberschwang und hören die Mächte der Finsternis grummeln. Und Kirschnereit ertastet das alles auf der Klaviatur. Lässt die Bassläufe des Beginns gespenstergleich flüstern. Entwickelt von langer Hand die Melodien. Beschwört ländliche Idyllen, die zwischen den Fingern zerrinnen. Und immer wieder lässt er den musikalischen Gedanken in eine sehnsuchtsvolle Frage ausklingen.
Der zweite Satz stürzt sich wild ins Leben. Voller Übermut federn die punktierten Akkorde. Liebevoll bringt der Pianist den zarten Mittelteil zum Singen. Die gefürchteten Sprünge der Schluss-Stretta passiert er nicht ganz ungestreift. Auch bei Mozart wird später ein Oktavsprung knapp neben dem Ziel landen. Unfehlbar ist auch ein Meister nicht.
Meisterlicher Stimmungsmaler
Bei aller technischen Bravour ist die Stimmungsmalerei die Stärke des 1962 geborenen Westfalen. Und außergewöhnlich malerisch nimmt er auch die Mozart-Stücke: die c-Moll-Sonate KV 457 und die c-Moll-Fantasie KV 475. Rastlos wechseln Oasen des Friedens mit Ausbrüchen der Leidenschaft. Da ist die Welt der Romantik nicht fern.
Kirschnereit gibt den wuchtigen Stellen kräftige Umrisse, die leisen kommen wie durch einen Weichzeichner. Verzierungen verschwimmen, Schlusstöne zerfließen wie Tinte auf Löschpapier, und das Pedal tut ein Übriges, um einen Mozart wie vom Aquarellpinsel zu zaubern ... |
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